Besuch der BF Hamburg - Wache Süderelbe
Durch Zufall erfuhren wir, dass die Berufsfeuerwehr HH am 20.08.05 in der Wache Süderelbe einen Tag der
offenen Tür veranstaltete. Kurzerhand wurden wir Jf-Mitglieder via EMail und SMS durch unseren Chefcoordinator darüber informiert und abgefragt, ob wir Lust hätten daran teilzunehmen. Natürlich hatten wir!
So trafen wir uns mit halber Besetzung (der Rest war noch in den Ferien, da diese noch nicht vorbei waren) um 12 Uhr am Gerätehaus Bienenbüttel zur Abfahrt. Erfreulicherweise konnte es auch pünktlich losgehen. Anfangs übernahm der Chefcoordinator die Führung, die er aber dann später an Ingo abgab, da die freundliche Dame im Navi uns ständig zum Umdrehen ermahnte, obwohl wir laut Ingo aber auf dem richtigen Wege seien (er fährt diesen jeden Tag zur Arbeit und der führt an der Wache vorbei). Wie sollte es auch anders sein, Ingo hatte recht und wir landeten nicht wie gefordert von der netten Dame im Stau vor dem bzw. im Elbtunnel, sondern an der Wache Süderelbe. Zu erkennen war sie schon von weitem anhand der ausgefahrenen Drehleiter und des neuen Gelenkmastes. Dort angekommen begann erst einmal eine lange Suche nach einem Parkplatz, da für Hamburg typisch, nirgendwo was frei war. Nachdem endlich ein Parkplatz und ein Weg zur Wache (nicht der vermeintlich kürzeste Weg ist immer der beste, nicht wahr ……….
;-) gefunden worden war, konnte die Besichtigung beginnen. Die Wache Süderelbe ist eine sehr große Wache, da sie für ein Wohngebiet mit 52000 Einwohnern sowie der Autobahn zuständig ist. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Wache Süderelbe speziell für Verkehrsunfälle im Elbtunnel ausgerüstet ist. Hierzu aber später mehr. Vor der Wache waren mehrere Fahrzeuge aufgestellt, die nicht zur Wache gehörten. U.a ein Großraumkrankenwagen in Form eines Linienbusses, modern ausgerüstet mit ca. 10 Betten. Daneben stand ein spezieller Rettungswagen für Patienten mit stark ansteckenden Krankheiten. Dieser ist von innen komplett mit Edelstahl ausgerüstet, damit er einfacher zu desinfizieren ist. Auf dem Innenhof wurde eine Drehleiter aus dem Jahre 1936 vorgestellt, sowie eine Drehleiter aus dem Ende der 60 iger. Der aktuelle Fuhrpark besteht aus einem RW 2 ähnlichen Fahrzeug auf Iveco Eurofire Fahrgestell, eine DLK 23/12 (MAN), einem HLF (MAN) einem Kommandofahrzeug (VW), einem nagelneuen Gelenkmast (MAN), 2 Rettungswagen (VW) sowie einem weiteren Rüstwagen auf Mercedes Unimog. Highlight ist die neueste Anschaffung, der LUF 60, welcher noch ein Prototyp ist. Entwickelt wurde er in Österreich nach dem schweren Brand im Tauerntunnel mit mehreren Toten. Bisherige Einsatzorte sind zur Zeit nur der Tauerntunnel und der Elbtunnel in Hamburg. Er kann aber auch in großen Industrieanlagen eingesetzt werden. Das Fahrgestell ist ähnlich eines Panzers. Er bewegt sich auf Ketten (Gummi) fort und kommt somit überall hin. Selbst große PKW´s schiebt er problemlos beiseite. Der große Vorteil des Fahrzeuges ist, dass es Funkferngesteuert ist und eine Reichweite von 300 m hat. Der eigentliche Löschaufbau ist einer Schneekanone nachempfunden. Am hinteren Ende der Kanone sitzt ein riesiger Ventilator mit sehr hoher Drehzahl. Das Löschwasser, was durch viele kleine Düsen mit hohem Druck (15-20 bar) in die Löschkanone hinein geblasen wird, wird durch die hohe Drehzahl des Ventilators sehr fein in der Umgebung verteilt. Die Umgebungstemperatur im Tunnel kann so im nu von 1000 °C auf 200 °C herabgesenkt werden. Kostenpunkt: 180.000 €.
Während des Tags der offenen Tür gab es mehrere Vorführungen durch die Kameraden der Bf. Am beeindruckensten war wohl die Vorführung, was passiert, wenn man brennendes Fett mit Wasser löscht. Nach Zugabe des Wassers gab es einen mächtigen Feuerball, der Erwachsene zwei Meter zurückspringen ließ und bei den Kindern ein Heulkonzert hervorrief. Highlight war allerdings ein großes Übungszenario mit einem Wohnungsbrand im 5. Stock. Allein schon das Eintreffen der einzelnen Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn ließ Jugendfeuerwehraugen hell erleuchten (und nicht nur die
;-). Es wurde eine Person mittels Drehleiter gerettet und danach von dort aus die Brandbekämpfung eingeleitet. Weitere Vorführungen bestanden aus der Patientengerechten Rettung aus verunfallten PKW, sowie einer verunfallten Person in großer Höhe.
Es gab aber nicht nur Vorführungen. Für die Kleinsten wurden eine Hüpfburg und Spritzwände aufgebaut. Wer Lust hatte, konnte sich einen Videofilm über die Bf Hamburg und ihre Einsätze anschauen und für Modellfans gab es eine riesengroße Auswahl an Modellautos der Feuerwehr. Für die Kleinen hielt man den Feuerwehrteddy, T-Shirts und andere Utensilien parat. Für das leibliche Wohl sorgten die Frauen der Kameraden mit selbstgebackenen Kuchen und Kaffee, die Kameraden selber mit leckerer Bratwurst vom Grill.
Alles in allem war es ein sehr schöner, interessanter und aufregender Tag für alle.
Zahlen und Fakten zur Bf Hamburg:
Die Berufsfeuerwehr wird von 87 Freiwilligen Feuerwehren unterstütz mit ca. insgesamt 4600 Mitgliedern. In und um Hamburg gibt es 43 Jugendfeuerwehren mit insgesamt rund 740 Jugendlichen. Es gibt in Hamburg 22 Feuerwachen und 29 Rettungswachen. Die Bf fährt 210.000 Einsätze im Jahr, die sich aufgliedern in 180.000 Rettungseinsätze, 20.000 Technische Unterstützung (Verkehrsunfälle, Sturmschäden usw.) und 10000 Brandeinsätze. Für diese Einsätze stehen der Bf 716 Fahrzeuge zu Verfügung. Diese gliedern sich auf in 218 Löschfahrzeuge, 21 Drehleitern, 118 Rettungswagen, 96 Kleinfahrzeuge, 36 Rüstwagen, 10 Wechsellader, 48 Boote, 68 Anhänger, 62 Sonstige und 1 Kran. Die zurückgelegte Wegstrecke lag im vergangenen Jahr bei 3.800.000 km.
Zusätzlich gibt es in Hamburg noch 6 Werksfeuerwehren mit 480 Mitgliedern. Des Weiteren ist noch der Rettungshubschrauber „SAR 71“ der Bundeswehr in HH stationiert. Er flog im letzten Jahr 1800 Einsätze.